Ein durchaus denkwürdiger und besonderer Feiertag ist der 3. Oktober 2009. An diesem Datum jährt dich
die deutsche Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland zum zwanzigsten Mal. Symbolisch wurde in
Berlin vom Potsdamer Platz bis zum Brandenburger Tor eine Mauer aus Dominosteinen aufgebaut, die noch
einmal eingerissen wurde.
Aber auch zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung sehen zahlreiche Bundesbürger im Osten ihre
Lebenssituation nicht unbedingt als zufriedenstellend an. Zum einen hinkt die wirtschaftliche
Situation im Osten noch sehr der im Westen nach und zum zweiten sehen sich zahlreiche ostdeutsche
Bürger als „nicht akzeptiert“ im Westen.
Gerade das Thema der Zwischenmenschlichkeit spaltet Deutschland in zwei Lager. Die einen würden sich
die Mauer wieder zurück wünschen – sowohl auf westlicher als auch auf östlicher Seite. Die anderen
hingegen könnten es sich gar nicht mehr vorstellen, jemals wieder in einem Land zu leben, das durch
einen eisernen Vorhang getrennt ist.
Ersteres mag wohl auf den ersten Blick verwunderlich sein, dass gerade die Menschen im Osten sich nach
der alten Zeit sehen. Zwar wollen sie nicht das strenge Regime das zu Zeiten des Kapitalismus regiert
hat haben, jedoch vermissen sie die Ordnung und die Organisation, die in damaliger
Zeit die Regierung übernommen hat.
Die Westdeutschen sind noch größtenteils der Meinung, selbst wenn die Mauer noch stünde, würde die
DDR einen gewissen Wohlstand erlangen, da auch sie – genau wie die zahlreichen Ostblockländer – mittlerweile
zur EU gehören würden und die nötige finanzielle Unterstützung von den vereinten europäischen
Nationen erhalten würden.
Mögen diese Spekulationen vielleicht sogar richtig sein, dies ändert nichts daran, dass
Deutschland – Ost wie West – ein Land ist, das seit genau 20 Jahren vereint ist.
Auch wenn die Entwicklung nicht so zügig voran geht wie erhofft von vielen, so geht sie dennoch vorwärts. Ein
Deutschland, das gesamt an einem Strang ziehen muss – so hat es die Bundeskanzlerin Angela Merkel in
einem Interview zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erwähnt. Gemeinsam kann die Republik vieles erreichen. Es
muss nur endlich auch die letzte Mauer in den Köpfen er Menschen fallen. Gegenseitige Akzeptanz
und gegenseitiger Respekt helfen dabei, die emotionalen Barrieren zwischen Ost und West einstürzen
zu lassen.
Aufeinander zugehen sollte die Devise sein. Im Moment fühlen sich die Ostdeutschen nur als ausgenutzt vom
Westen und die Westdeutschen nur als Zahlesel für den Osten. Wirtschaftlich geht es vorwärts. Und die
letzte Hürde – sich gegenseitig endlich Respekt zu verschaffen – dürfte doch auch noch machbar sein. Und
wer weiß, wie die Studie in 20 Jahren aussehen wird, wenn im Jahre 2029 die Enkel und Urenkel der damals
Betroffenen zum Thema befragt werden.