Tag der deutschen Einheit

Tag der deutschen EinheitDer Tag der deutschen ist der einzige Feiertag in Deutschland, der keinen religiösen Hintergrund hat. Wie der Name schon sagt, wird am 3. Oktober die deutsche Einheit gefeiert - als der Tag, an dem die Mauer fiel. Sie trennte Deutschland über 50 Jahre lang in zwei Hälften - die Bundesrepublik Deutschland und DDR. Unzählige Menschen kamen bei Fluchtversuchen von Ost nach West ums Leben. Familien wurden durch die Mauer zerrissen - Besuche waren kaum möglich. Die DDR war ein wirklicher Unrechtsstaat. Menschen durften ihre Meinung nicht sagen, wurden bespitzelt - und im schlimmsten Fall sogar ins Gefängnis geworfen. Auch freie Wahlen hat es in der DDR nicht gegeben.
Ende der 1980er Jahre kam es schließlich zu friedlichen Aufständen. Unter der Parole "die Mauer muss weg" demonstrierten Zehntausende für den Fall des so genannten antifaschistischen Schutzwalls. 1989 hatten die Bemühungen dann schließlich Erfolg - die Weltpolitik konnte die Proteste nicht länger ignorieren. In einem ersten Schritt wurden Reisen zwischen Ost und West erlaubt. Die Ereignisse überschlugen sich in dieser Zeit. Die Menschen nutzen ihr Recht auf freie Reisen - und die Protestbewegung wuchs. Der Höhepunkt war dann der 3. Oktober 1990. Auch bekannt als der Tag, an dem Mauer fiel. Von diesem Tag an war die trennende Mauer Geschichte.

Dieser Tag wird in Deutschland mit einem offiziellen Festakt begangen. Er findet aber nicht immer am selben Ort statt. Vielmehr richtet in jedem Jahr eine andere deutsche Stadt diesen Festakt aus - abwechselnd eine west- und eine ostdeutsche. Während des Festaktes sprechen alle hochrangigen Vertreter der Bundesregierung - allen voran der Bundeskanzler und der Bundespräsident. Sie erinnern in den Ansprachen an die vielen Menschen, die bei Fluchtversuchen ums Leben kamen. Aber sie nutzen den Tag auch, um auf seine positiven aufmerksam zu machen. Sie drücken ihre Freude darüber aus, dass Deutschland nun ein Vaterland ist. Neben diesem offiziellen Festakt gibt es in der ausrichtenden Stadt auch immer eine Art Jahrmarkt. Im Rahmen dieser Veranstaltung spielen Größen der deutschen Musikszene. Daneben gibt es Stände der großen deutschen Organisationen, zum Teil auch Karussels und natürlich jede Menge Stände, die Essen verkaufen.

Parade auf einer StraßeNeben dieser offiziellen, großen Veranstaltung gibt es auch kleinere Festakte. Allen voran in Dresden und Leipzig. In diesen beiden Städten begann die Protestbewegung, die den Unrechtsstaat zu Fall brachte. Besonders bekannt wurden die friedlichen Proteste rund um eine Kirche in Leipzig. Sie sorgten dafür, dass Christen aus dem ganzen Land solidarisch mit der Bewegung waren. Deswegen gibt es auch hier kleine offizielle Festakte und selbstverständlich auch Gottesdienste. Neben diesen Veranstaltungen treffen sich aber auch Menschen, die an den Aufständen teilnahmen. Für die breite Bevölkerung gibt es eine Art Volksfest.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in vielen anderen ostdeutschen Städten. Alle erinnern sich gemeinsam an den glücklichen Tag, an dem sie endlich wirklich frei reisen durften - und der Unrechststaat DDR nur noch ein Teil der Geschichte war. Aber natürlich war in der DDR nicht alles schlecht. Viele Menschen haben ihre Jugend in diesem Land verbracht. Und so ist der Tag der deutschen Einheit auch ein Tag, um diese Zeiten wach zu halten. Viele Fernsehsender zeigen Produktionen aus dieser Zeit. Es werden typische DDR-Gerichte gekocht - und die alten Marken erleben ein Revival im Supermarkt.

Aber nicht nur in Ostdeutschland wird dieser Tag gefeiert. Auch die Menschen im Westen nutzen den Feiertag, um an diese Zeit zu erinnern. Sie erinnern sich an Reisen in die DDR, rufen sich Geschichten von Flüchtlingen ins Gedächtnis und erzählen ihren Kindern, wie das Leben damals mit der innerdeutschen Grenze gewesen ist. Denn inzwischen ist ein großer Teil der deutschen nach der Wiedervereinigung geboren. Sie kennen die DDR und die Existenz der Mauer nur noch aus dem Geschichtsunterricht.

Ganz besonders sind die Feierlichkeiten in Grenzorten. Das betrifft natürlich vor allem Berlin, die Stadt, die von der Mauer geteilt war. Aber auch in vielen Orten Oberfrankens war die Grenze sehr nah. Hier wird an diesem Tag ganz besonders der Geschichte gedacht. Zumal hier in der Regel deutsche Grenzsoldaten stationiert waren. Ein ganz besonderer Ort ist Mödlareuth. Das kleine Dorf in Hochfranken war auch geteilt - deswegen bekam es Namen Little Berlin. Das ZDF setzte der Situation in diesem Ort mit der Filmreihe Tannbach ein Denkmal. Heute finden hier die Feierlichkeiten des Freistaats Bayern zur deutschen Einheit statt.