In der Nacht vom 9. auf 10. November 1989 wurde aus dem einst geteilten Deutschland wieder ein
vereintes Land. Die Mauer, die Ost- und West-Berlin getrennt hat und somit zahlreiche Familien und
Freunde teilte wurde eingerissen. Deutschland war von diesem Tag wieder eine vereinte Nation.
Vielen Menschen stellt sich heute – 20 Jahre nach diesem geschichtsträchtigen Ereignis – die Frage, wieso
auf einmal der Umschwung kam.
Ausschlaggebend für die Grenzöffnung zwischen Ost und West war eine Kundgebung, bei der die Bürgerinnen
und Bürger der damaligen DDR Reisefreiheit gefordert hatten. Die damaligen führenden SED-Politiker in
Ostdeutschland haben erkannt, dass die Menschen nicht mehr im eigenen Land gehalten werden konnten. Ein
Gesetz musste verabschiedet werden, indem der heimlichen Massenflucht der DDR-Bürger vorgebeugt werden
konnte. Zum damaligen Zeitpunkt konnte zwar niemand ohne Probleme von Ost- nach Westberlin ausreisen, ohne
erwischt zu werden, jedoch war es möglich über das Ausland in die Bundesrepublik auszureisen. Jedem sind hier
noch die Bilder von überfüllten polnischen und ungarischen Botschaften vor Augen, über die die Menschen damals
versuchten nach Österreich – und somit folglich in die Bundesrepublik zu gelangen.
In den Medien wurde dies am 9. November so interpretiert, als können die DDR-Bürger ohne Probleme in den Westen
ausreisen. Genau diese Medienpolitik veranlasste zahlreiche Ostdeutsche dann, zu den nahen Grenzübergängen zu
reisen um endlich die Freiheit genießen zu können und nicht mehr länger unter dem strengen Regime der SED zu
leben. Der Mauerfall war so praktisch unumgänglich für die regierenden Politiker von Ost und West. Man möge nicht
daran denken, was passiert wäre, hätten die Regierungsoberhäupter weiterhin mit strenger Hand versucht die
Menschen von der Ausreise aufzuhalten.
Abgesehen davon, dass eben ein solcher Massenansturm nur schwer aufzuhalten gewesen wäre, bekamen die Grenzbeamten
eine strikte Anordnung nur nach eingehender Passkontrolle die Bürger in den Westen ausreisen zu lassen. Bei den
ersten Ausreisewilligen wurde sogar der Personalausweis oder Reisepass mit dem Grenzübertritt als ungültig
gestempelt. Dies hatte zur Folge, dass die Menschen, die einmal ausgereist waren, nichtmehr länger Bürger der
Deutschen Demokratischen Republik waren – sondern als heimatlos galten.
Diese Menschenmassen waren aber nur schwer unter Kontrolle zu halten und somit beschloss am Grenzübergang
Bornholmer Straße der Diensthabende Oberleutnant Harald Jäger eigenmächtig, die Grenze zu öffnen und die Passkontrolle
einzustellen. Die Ausreiseflut in den Westen war somit nicht mehr aufzuhalten.
An diesem ersten offenen Grenzübergang in der Bornholmer Straße fanden in dieser geschichtsträchtigen dreiviertel
Stunde – zwischen 23.30 Uhr und 0.15 Uhr in etwa 20.000 DDR-Bürger den Weg in den goldenen Westen.
Um 15 Minuten nach Mitternacht waren dann endlich alle Berliner Grenzübergänge für den freien Ein- und Ausreiseverkehr
geöffnet. Das Ende der DDR war besiegelt und Deutschland wieder ein vereintes Land.
Wenngleich auch in den Medien das aufregende Ereignis eingehend kommentiert wurde und Bilder von tausenden
freudigen Ost- und Westbürgern aus dieser Nacht um die Welt gingen, begann der eigentliche Ansturm auf
West-Berlin erst im Laufe des Vormittags des 10. November da doch zahlreiche Menschen die ereignisreiche Nacht
verschlafen hatten und sich erst am nächsten Morgen auf den Weg machten, Westdeutschland zu besuchen.
In den Tagen nach dieser Nacht wurden allerdings alle Grenzübergänge noch streng von Beamten bewacht und
die Ein- bzw. Ausreise war nicht ohne Visum möglich. Jedoch wurden immer mehr Grenzübergänge geöffnet und
bis zum 22. Dezember 1989 – als der letzte Grenzübergang am Brandenburger Tor eröffnet wurde – erlaubte
die Regierung den DDR-Bürgern mit einem sehr lockeren Gesetz die Ausreise. Anders war es hingegen mit
Menschen aus West-Berlin – die glaubten endlich Freunde, Verwandte und Bekannte im Osten der Stadt
besuchen zu können. Sie mussten nach wie vor den Grenzübertritt genehmigen lassen. Man könnte sagen,
die DDR konnte leichter über die Grenze als die Westdeutschen. An diesem Tag – oder diesem Abend –
bejubelten Millionen Menschen den Fall eines jeden Mauerstücks des Eisernen Grenzwalls. Politiker aus Ost
und West haben sich in dieser Nacht am Brandenburger Tor versammelt, sich die Hände gereicht und endlich das
geteilte Land wieder eins werden lassen.
Erstmals ohne Erlaubnis ein und ausreisen durfte man ab dem 24. Dezember 1989. Von dem Tag an wurde auch mit
den Abrissarbeiten an der vielseitig mit Graffiti besprühten Wand. Berlin war wieder eine Stadt und die
Teilung, die im August 1961 symbolisch mit dem Mauerbau begann nahm endlich ein Ende.
Sicher wird man bei genauem Nachdenken über dieses emotionale Ereignis nicht vergessen, wie viele Bürgerinnen und
Bürger ihr Leben lassen mussten, weil sie in den Jahren zuvor versuchten heimlich über die Grenzen zu flüchten. Dies
alles hätte doch vermieden werden können, wenn die Mauer gar nicht erst errichtet worden wäre. Der Mauerfall bleibt
durch seine Geschichte für die Ewigkeit das bedeutendste Ereignis der Deutschen Geschichte, an den nun – mittlerweile
Jahrzehnte danach – jedes Jahr in Ost und West freudig gedacht wird.